{"id":936,"date":"2018-05-13T19:43:32","date_gmt":"2018-05-13T17:43:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.jcz.stillgame.ch\/jcz\/?page_id=936"},"modified":"2021-11-09T21:21:48","modified_gmt":"2021-11-09T20:21:48","slug":"die-entwicklung-des-jeeps","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/jeep-club-zentralschweiz.ch\/?page_id=936","title":{"rendered":"Die Entwicklung des Jeeps"},"content":{"rendered":"<p>Die unglaublich kurze Entwicklungszeit des Jeeps ist h\u00f6chst interessant und in vielen B\u00fcchern, leider im Inhalt nicht immer \u00fcbereinstimmend beschrieben.<\/p>\n<p>Verschiedene Armeen auf beiden Seiten des atlantischen Ozeans experimentierten schon zwischen 1910 und 1940 mit Fahrzeugen, die f\u00fcr die Aufkl\u00e4rung, das Nachrichtenwesen, und den Personentransport, als Ersatz von Pferden und Motorr\u00e4dern mit Seitenwagen, eingesetzt werden konnten. Dies waren vor allem abge\u00e4nderte Personenfahrzeuge wie zum Beispiel der Ford T und der Austin Seven.<\/p>\n<p>Im Jahre 1940 war der zweite Weltkrieg in vollem Gange und die amerikanischen Armeebeh\u00f6rden realisierten, dass Amerika auch in den Krieg verwickelt werden k\u00f6nnte. Die Beschaffung dieser Art Fahrzeuge wurde eine vordringliche Angelegenheit. Genau gesagt die Geschichte des Jeeps beginnt mit der Ausschreibung, die an 135 potentielle Hersteller f\u00fcr ein solches Fahrzeug gesandt wurde, am 27. Juni 1940.<\/p>\n<p>Die Spezifikationen f\u00fcr das Fahrzeug waren :<\/p>\n<p>1. Vierradantrieb<br \/>\n2. Minimumgeschwindigkeit 5 km\/h<br \/>\n3. Leergewicht 590 kg<br \/>\n4. Nutzlast 272 kg<br \/>\n5. Radabstand 203cm<br \/>\n6. H\u00f6he 91 cm<br \/>\n7. Spurbreite 119 cm<br \/>\n8. Bodenfreiheit 16.5 cm<\/p>\n<p>Die Spezifikationen, vor allem das Leergewicht war wie sich sp\u00e4ter herausstellen sollte unrealistisch. Aber auch die Termine waren so kurz, dass sich nur 2 Hersteller meldeten. Es waren dies die Bantam Car Company (fr\u00fcher American Austin) und die Willys Overland Company. Die Pl\u00e4ne des Fahrzeuges sollten bis am 22. Juli 1940, also innerhalb von 25 Tagen pr\u00e4sentiert werden. Anschliessend sollten 70 Prototypen in 75 Tagen folgen, wovon der erste Prototyp schon nach 49 Tagen geliefert werden sollte.<\/p>\n<p>Die Bantam Car Company war zu diesem Zeitpunkt praktisch bankrott. Nur noch 15 Angestellte waren damit besch\u00e4ftigt einzelne Fahrzeuge herzustellen. Klar, dass Bantam Morgenluft witterte und alles daran setze, diesen Auftrag zu erhalten, um die Firma dadurch zu retten. Bantam jedoch fehlte ein kompetenter Konstrukteur, deshalb versuchte Bantam mit Hilfe von William Knudsen (General im Kriegsmaterial \u2013 Beschaffungsministerium) den genialen Konstrukteur Karl Probst zu \u00fcberzeugen bei Bantam das neue Fahrzeug zu entwickeln. Karl Probst liess sich von so hoher Stelle nicht lange bitten. Er arbeitete fast rund um die Uhr und hatte die Pl\u00e4ne des Fahrzeugs innerhalb von nur 5 Tagen (und N\u00e4chten!) fertig gestellt.<\/p>\n<p>Am 22. Juli 1940 wurden die Pl\u00e4ne im Quartermaster Corps Camp Holabird vorgestellt. Die Bantam Corporation war die einzige, die vollst\u00e4ndige Pl\u00e4ne vorweisen konnte; Willys reichte nur ein Rohkonzept und eine Offerte ein. Ford Motor Company, die nur als potenter Fahrzeuglieferant auch eingeladen wurde, hatte nat\u00fcrlich keines von beidem. Ford und Willys sahen sich nicht in der Lage einen Prototyp in der Zeitlimite von 49 Tagen herzustellen.<\/p>\n<p>Bantam begann mit der Herstellung des ersten Prototyps BRC-Pilot und lieferte diesen auch prompt nach 49 Tagen am 23. Sept. 1940 im Camp Holabird ab. Zum Test waren auch Willys und Ford eingeladen. Das Fahrzeug hatte noch kleinere M\u00e4ngel, \u00fcberzeugte jedoch die US-Armee. Die US-Armee, die nicht so recht an die Produktionsf\u00e4higkeit und die Liquidit\u00e4t von Bantam glaubte, h\u00e4ndigte die Pl\u00e4ne von Bantam, nat\u00fcrlich unter Protest von Bantam, an Willys und Ford aus.<\/p>\n<p>Eine Vorserie von je 1500 Fahrzeugen sollte produziert werden. Willys und Ford stellten vorg\u00e4ngig je einen Prototypen her, die im November 1940 fertiggestellt wurden. Willys lieferte ihren Quad am 11.Nov.1940 und Ford ihren Pygmy am 23. Nov 1940 im Camp Holabird ab. Ein erbarmungsloser Vergleichstest zwischen Bantam Mk II, Willys Quad und Ford Pygmy deckte nun die Vorteile und die M\u00e4ngel der 3 Konkurrenten auf. Als Folge dieser Tests wurde eine modifizierte Spezifikation ausgearbeitet z.B das Leergewicht wurde auf 980 kg angehoben, die Motorhaube sollte flach wie beim Pygmy sein etc.<br \/>\nDie finanzielle Situation von Willys war nicht viel besser als die von Bantam und auch Willys hoffte, sich durch einen Auftrag der US-Armee sanieren zu k\u00f6nnen. Die andere Parallele zu Bantam war die Tatsache, dass Willys auch einen genialen Konstrukteur vorzuweisen hatten. Barney Roos unterzog 1938 den f\u00fcr seine Unzuverl\u00e4ssigkeit und Reparatur-anf\u00e4lligkeit ber\u00fchmten Willys Whyppet Motor, der aus dem Jahre 1926 stammte einer gr\u00fcndlichen \u00dcberarbeitung. Dieser neue und \u00e4usserst zuverl\u00e4ssige Motor, der &#8222;Go Devil&#8220;, war dann auch f\u00fcr den Erfolg von Willys verantwortlich. Schlussendlich schrieb dieser Motor Jeep Geschichte.<\/p>\n<p>Noch vor Abschluss der Vergleichstest mit den Prototypen erfolgte am 14. Nov. 1940 die Bestellung von je 1500 Einheiten an alle drei Hersteller. Die Fahrzeuge mit den vereinbarten Modifikationen waren der Bantam BRC 40, der Ford GP und der Willys MA.<br \/>\nDie Fahrzeuge wurden dem Aberdeen Proving Ground sowie verschiedenen Teilen der US-Armee zur Erprobung zugeteilt. Der Ausgang dieser Erprobung ergab, dass alle drei Hersteller ein armeetaugliches Fahrzeug vorzuweisen hatten. Der Willys hatte jedoch mit dem neuen und st\u00e4rkeren Motor klare Vorteile. Der MA jedoch war immer noch zu schwer und musste 12% oder 120 kg abspecken. Barney Roos unterzog den MA einer Abmagerungskur, die nicht vor der letzten Schraube oder sogar der Lackierung halt machte. Der Bantam hatte viele Ausf\u00e4lle wegen unterdimensionierten Teilen zu verzeichnen. Der Ford war am bequemsten, hatte jedoch ein unsynchronisiertes Getriebe und war deshalb bei den Fahrern nicht sehr beliebt. Zudem hatte der Ford die meisten Ausf\u00e4lle zu verzeichnen.<\/p>\n<p>Die Armee musste sich nun f\u00fcr ein Fahrzeug entscheiden. Die B\u00fcrokraten h\u00e4tten den Auftrag am liebsten an Ford wegen seiner finanzieller Gr\u00f6sse und der Produktionskapazit\u00e4t erteilt. Die Technokraten setzten jedoch durch, dass technische Aspekte mehr ber\u00fccksichtigt wurden. Es stand nun zur Wahl, ob man die besten &#8222;Teile&#8220; der drei Fahrzeuge kombinieren sollte, oder ob ein Fahrzeug ausgelesen und von allen drei Herstellern gemeinsam produziert werden sollte. Am 8. Juni 1941 wurde die zweite Option gew\u00e4hlt, jedoch mit der \u00c4nderung, dass Bantam unter Protest ausgebootet wurde. Bantam erhielt als Ersatz daf\u00fcr von der Armee Auftr\u00e4ge zur Herstellung von Anh\u00e4ngern und Flugzeugfahrwerken.<\/p>\n<p>Am 23.Juli 1941 erteilte die Armee Willys den Auftrag f\u00fcr 16000 Willys MB und am 15. Nov.1941 erhielt Ford den Auftrag f\u00fcr 15000 &#8222;baugleiche&#8220; Fahrzeuge in Lizenz von Willys herzustellen, n\u00e4mlich den Ford GPW. Die Baugleichheit hielt sich wie Jeepfans wissen in Grenzen, es bestand jedoch eine 100%ige Austauschbarkeit der Teile. Dies war die eigentliche Geburtsstunde des Jeep. Woher der Name Jeep stammt kann nicht eindeutig gesagt werden, denn es kursieren verschiedene Geschichten \u00fcber die Herkunft. Eine plausible Erkl\u00e4rung w\u00e4re die englische Bezeichnung General Purpose GP (ausgesprochen Gee Pee). Der Jeep, MB und GPW schrieben im zweiten Weltkrieg Geschichte. Kein geringerer als General Dwight D. Eisenhower sagte:<\/p>\n<p><em>Der Jeep, die Dakota (Flugzeug) und die Landungsboote haben den zweiten Weltkrieg gewonnen.<\/em><\/p>\n<p>Von der Entwicklung bis zu Ende des zweiten Weltkrieges wurden folgende Fahrzeuge hergestellt:<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Bantham<\/td>\n<td>Anzl.<\/td>\n<td style=\"color: green;\">Willys<\/td>\n<td style=\"color: green;\">Anzl.<\/td>\n<td>Ford<\/td>\n<td>Anzl.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Prototype<\/td>\n<td>1<\/td>\n<td style=\"color: green;\">Quad<\/td>\n<td style=\"color: green;\">2<\/td>\n<td>Pygmy<\/td>\n<td>2<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>MkII<\/td>\n<td>69<\/td>\n<td style=\"color: green;\">MA<\/td>\n<td style=\"color: green;\">1555<\/td>\n<td>GP<\/td>\n<td>4458<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>BRC-40<\/td>\n<td>1175<\/td>\n<td style=\"color: green;\">MB Slat gille<\/td>\n<td style=\"color: green;\">25808<\/td>\n<td>GPW<\/td>\n<td>277896<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Zus.BRC 40<\/td>\n<td>1430<\/td>\n<td style=\"color: green;\">MB<\/td>\n<td style=\"color: green;\">335531<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>TOTAL<\/td>\n<td>2675<\/td>\n<td style=\"color: green;\">TOTAL<\/td>\n<td style=\"color: green;\">362896<\/td>\n<td>TOTAL<\/td>\n<td>282356<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Mit dem Ende des zweiten Weltkrieges war es dann auch mit der Jeep-Produktion f\u00fcr die US-Armee f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit vorbei. Ford musste die Produktion einstellen, weil die Lizenz erlosch und Willys suchte nach zivilen Anwendungen f\u00fcr den Jeep.<\/p>\n<p>Erst im Jahre 1950 mit dem Ausbruch des Koreakrieges ben\u00f6tigte die US-Armee wieder neue Jeep&#8217;s. Der M38 war ein neues Fahrzeug, das auf der Basis des CJ3A entwickelt wurde. Der M38 wies viele Neuerungen auf z.B. eine elektrische Anlage mit 24V, komplett wasserdichte Ausf\u00fchrung, h\u00f6here Bodenfreiheit und robusteres Chassis etc. Sp\u00e4ter l\u00f6ste der M38A1 den M38 ab.<\/p>\n<p>Vereinzelt fanden auch leicht modifizierte CJ3B unter der Bezeichnung M606 den Weg in die US-Armee. Im Vietnamkrieg wurde ein neues Fahrzeug eingesetzt, das jedoch nicht mehr von Willys gebaut wurde. Der MUTT oder auch M151A1 respektive M152A2 wurde von verschiedenen Herstellern, vor allem Ford bis anfangs der 70er Jahren gebaut.<br \/>\nDie Produktion der CJ (Civil Jeep) CJ2A, CJ3A, CJ3B waren zwar f\u00fcr den zivilen Gebrauch wie Landwirtschaft, Feuerwehr, Post etc. konzipiert, fanden jedoch in anderen Armeen ihren Einsatz. Die Schweizerarmee und die S\u00fcdafrikanische Armee waren die gr\u00f6ssten Abnehmer von CJ \u2013 Jeep&#8217;s.<\/p>\n<figure><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/jeep-club-zentralschweiz.ch\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/001_bantam-prototyp.jpg\" sizes=\"auto, 100vw\" alt=\"Bantam Prototyp\" width=\"226\" height=\"162\" \/><figcaption>Bantam Prototyp<\/figcaption><\/figure>\n<figure><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/jeep-club-zentralschweiz.ch\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/002_bantam-mkII.jpg\" sizes=\"auto, 100vw\" alt=\"Bantam Mk II\" width=\"227\" height=\"161\" \/><figcaption>Bantam Mk II<\/figcaption><\/figure>\n<figure><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/jeep-club-zentralschweiz.ch\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/003_bantam-brc40.jpg\" sizes=\"auto, 100vw\" alt=\"Bantam BRC 40\" width=\"229\" height=\"178\" \/><figcaption>Bantam BRC 40<\/figcaption><\/figure>\n<figure><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/jeep-club-zentralschweiz.ch\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/004_ford-pygmy.jpg\" sizes=\"auto, 100vw\" alt=\"Ford Pygmy\" width=\"262\" height=\"164\" \/><figcaption>Ford Pygmy<\/figcaption><\/figure>\n<figure><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/jeep-club-zentralschweiz.ch\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/005_ford-gp.jpg\" sizes=\"auto, 100vw\" alt=\"Ford GP\" width=\"274\" height=\"172\" \/><figcaption>Ford GP<\/figcaption><\/figure>\n<figure><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/jeep-club-zentralschweiz.ch\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/006_ford-gpw.jpg\" sizes=\"auto, 100vw\" alt=\"Ford GPW\" width=\"276\" height=\"172\" \/><figcaption>Ford GPW<\/figcaption><\/figure>\n<figure><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/jeep-club-zentralschweiz.ch\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/007_willys-quad.jpg\" sizes=\"auto, 100vw\" alt=\"Willys Quad\" width=\"275\" height=\"171\" \/><figcaption>Willys Quad<\/figcaption><\/figure>\n<figure><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/jeep-club-zentralschweiz.ch\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/008_willys-ma.jpg\" sizes=\"auto, 100vw\" alt=\"Willys MA\" width=\"262\" height=\"179\" \/><figcaption>Willys MA<\/figcaption><\/figure>\n<figure><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/jeep-club-zentralschweiz.ch\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/009_willys-mb.jpg\" sizes=\"auto, 100vw\" alt=\"Willys MB\" width=\"275\" height=\"171\" \/><figcaption>Willys MB<\/figcaption><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die unglaublich kurze Entwicklungszeit des Jeeps ist h\u00f6chst interessant und in vielen B\u00fcchern, leider im Inhalt nicht immer \u00fcbereinstimmend beschrieben. 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